Bad Endorf, den 13.06.2001

Erkenntnisse und Erfahrungen im Umgang
mit hereditärer Pankreatitis

- ein Bericht von Frau Christa Wiesholler -

Unsere Tochter Cornelia - 1964 geboren - bekam im Alter von ca. 2 Jahren das erste Mal undefinierbare Bauchschmerzen. Das wiederholte sich alle paar Monate. Unser Hausarzt verwies uns in eine Kinderklinik, um dies abzuklären. Nach einem Aufenthalt in der Kinderklinik erklärte uns der behandelnde Kinderarzt, dass das Kind nicht an Bauchschmerzen leidet, sondern eine Kieferhöhlenentzündung hätte. Man hat auch dem 3jährigen Kind die Kieferhöhle gespült. Nach ein paar Monaten wiederholten sich die Bauchschmerzen, sie wurden auch immer stärker. Das Krankheitsbild war die ganzen Jahre immer gleich. Am 1. Tag hatte sie nur leichte Bauchschmerzen, die sich dann ganz schnell steigerten. Sie hatte keinen Appetit mehr und trank nichts mehr. Ich wollte ihr löffelweise Tee geben, den erbrach sie sofort wieder. Ihr ekelte richtig vor dem Essen und Trinken. Ihre Gesichtsfarbe war fahl und blass. Apathisch lag sie da, hatte zu nichts Lust und krümmte sich. In der Krümmung waren die Schmerzen anscheinend erträglicher. Sie kamen auch immer krampfartig, aber so stark, dass sie einige Male sagte: "Mami, ich kann nicht mehr". Alle verordneten Medikamente halfen nichts. Wärme tat ihr gut. Aber die Wärmflasche auf dem Bauch war ihr zu schwer. Am besten war ein sehr warmes Vollbad bei jeder Tages- und Nachtzeit, wenn die Schmerzen unerträglich wurden. Sie saß dann auch 1 Stunde in der Badewanne und war dann völlig verwandelt. Es ging ihr gut und sie war schmerzfrei. Sie nahm 5-7 Tage weder Flüssigkeit noch feste Nahrung zu sich. Das schwächte natürlich. Sie konnte ohne Hilfe nicht mehr aufstehen. Aber man kann es fast nicht glauben, nach 8 Tagen waren diese wahnsinnigen Schmerzen vorbei. Sie hatte plötzlich wieder Appetit, trank ihren Tee, ohne dass sie ihn gleich erbrach und die Lebensgeister kehrten zurück.

Bei wiederholten Krankenhauseinweisungen der gleichen Symptome wurden folgende Diagnosen gestellt und Operationen durchgeführt bzw. Therapien empfohlen:
Blinddarm (Operation), Nabelbruch (Operation), Verstopfung (Einlauf), psychische Belastung, d.h. Schulangst (Psychotherapie).
Im Alter von ca. 12 Jahren wurde dann Gott sei Dank - so makaber es klingt - in einem größeren Krankenhaus mit Kinderabteilung (Rosenheim) - wir hatten ja schon mehrere konsultiert - ein Entzündung der Bauchspeicheldrüse diagnostiziert. Eine Infusion wurde gelegt und es ging bald wieder besser. Ein Gespräch mit dem Kinderarzt, bei dem ich ihm die immer wiederkehrenden Symptome erklärte, ergab eine riesengroße Enttäuschung für uns. Er antwortete ganz lapidar: "Dann müssen wir uns überlegen, ob wir bei der nächsten Entzündung nicht gleich die Bauchspeicheldrüse entfernen, dem Mädchen müsste halt dann regelmäßig Insulin gespritzt werden, aber damit kann man auch leben."
Daraufhin konsultierte ich mit unserer Tochter einen Naturheilpraktiker. Dr. Zoubek war Dr.med. und hat sich ganz der Naturheilkunde gewidmet. Mit zur Behandlung gehörte eine sehr strenge Diät, die wir auch fast ein Jahr durchhielten.
Nach meiner Erinnerung bereitete ich ihr jeden Morgen einen Sechskornbrei. Am Vorabend wurde das geschrotete Getreide in Wasser eingeweicht und am Morgen kurz aufgekocht. Es roch und schmeckte verheerend. Aber ich musste unsere Tochter davon überzeugen und motivieren, dass ihr nur so geholfen werden kann. Ich muss mich heute noch wundern, dass sich das Kind trotz aller Versuchungen wirklich an diese strenge Diät hielt. Trinken durfte sie nur entweder stilles Wasser - nicht zu kalt - oder Brombeerblättertee, natürlich ohne Zucker. Der Speiseplan viel dementsprechend mager aus. Nur Puten- oder Kalbfleisch in Folie gegart. Es sind nun doch schon 25 Jahre her, einiges ist in Vergessenheit geraten, aber so manches behält man noch im Kopf. Streng verboten war alles Süße in jeglicher Form, Salate, gebratenes Fleisch, Butter - also Fette und Öle, verschiedenes Obst.

Zur Behandlung bekam sie wöchentlich eine Spritze in den Bauch und am Rücken wurde sie gespritzt. Aber ich kann heute nicht mehr sagen, um welches Medikament es sich gehandelt hat. Außerdem bekam sie auch noch Tropfen, die sie 3x täglich einnehmen musste. Nach 4-5 Monaten war das Mädchen äußerlich verändert. War sie vorher leicht pummelig und aufgedunsen, so hatte sie nun eine schmale Silhouette und einen klaren Blick. Die Behandlung tat ihr sichtlich gut. Die Entzündung des Pankreas hat sich in dieser Zeit nicht wiederholt. Nach ca. 1 Jahr durfte sie langsam wieder normal essen. Leider hat dieser Arzt seine Praxis nach München (ca. 100 km von Prien) verlegt, so dass eine regelmäßige Konsolidierung ausgeschlossen war.

Die Abstände haben sich auch daraufhin verlängert. Waren bisher 5-7 Monate Ruhe, so bekam sie nun nur noch alle 1-2 Jahre einen Schub, aber nicht minder schwer.

Unsere Tochter wird nun 37 Jahre alt und die letzte schwere Erkrankung liegt nun 5-6 Jahre zurück. Sie spürt von Zeit zu Zeit ein Stechen und versucht dies mit der Ernährung wieder ins Lot zu bringen.

Wir haben in all den Jahren festgestellt, dass sie regelmäßig immer dann ein Schub hatte, wenn für sie etwas Aufregendes bevorstand - wenn sie im Besonderen gefordert war - ob das Festtage waren, wo vieles anders lief, ob sie Brautjungfer bei einer bevorstehenden Hochzeit war oder in der Schule besonderer Stress angesagt war.

Es muss das Seelenleben sehr starken Einfluss auf die inneren Organe haben. Ich schrieb zu Beginn, dass das Kind im Alter von 2 Jahren das 1. Mal diese Entzündung hatte, ein paar Monate vorher kam ihre Schwester zur Welt, vielleicht fühlte sie sich zurückgesetzt, sie war nun nicht mehr Mittelpunkt. Es könnte sein, dass dies die Ursache war.